Eurosonic 2009

Mit unseren Freunden vom Gurtenfestival und weiteren Schweizer Festivals haben wir uns für ein verlängertes Wochenende im holländischen Groningen einquartiert und das Eurosonic/Norderslag Festival besucht. Das Eurosonic dient den Festivalveranstaltern aus ganz Europa tagsüber als Austausch- und Weiterbildungsmöglichkeit und abends als Entdeckungsreise durch die musikalische Newcomer Landschaft. Am Samstagmittag treffen sich die Mitglieder vom European Talent Exchange Programm und erzählen, welche Bands sie gesehen haben und welche sie weiterverfolgen und ev. buchen werden.

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In einer Stadt, etwa so gross wie Luzern oder Bern – je nachdem, ob die Studierenden mitgezählt werden – spielen in 2 Nächten in über 20 Clubs über 160 Bands. Zeitüberschneidungen und Interessenskonflikte sind bei einem derart straffen Zeitplan vorprogrammiert. Ab 20.00 bis 04.00 wird von Club zu Club gepilgert, gerannt, gestolpert. Fünf Songs von diesem Act, 15 Minuten von diesem angesagten Newcomer und danach gleich nebenan noch ein Ohr voll von einer Empfehlung eines Festivalveranstalters.

Der Versuch einer Rekonstruktion von 3 erlebnisreichen Nächten mit viel Musik und wenig Schlaf.

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Start am Freitagabend bei Zita Swoon, welche die Bühne in der Mitte des Saals platziert haben und so von allen Seiten gehört werden konnten. Es wurde nur ein kurzer Abstecher, die Erwartungen waren nach den Lobeshymnen vorab hoch und wurden enttäuscht. Weiter zu den Dänen von Vincent Van Go Go. Abgefahren, aber irgendwie packend. Die erste Schweizer Band in einem ersten Lieblingslokal: Solange La Frange mit ihrer Laptop-, Vocal- und Kartonplakat-Performance. Mutig, aber noch zu wenig ausgereift. Darf dennoch gerne weiterverfolgt werden. Von Heidi Happy, die einen soliden, perfekten Auftritt vor andächtig lauschendem Publikum gespielt hat, sind wir weiter geeilt zu Frank Turner. Jeder Song ein potentieller Hit! Hat uns gefallen.

Der Auftritt von Polarkreis 18 spaltet unsere Gruppe in zwei Lager. “Kalt”, “ohne Soul”, “schräge Performance” auf der einen Seite; “monumental”, “perfekt” auf der anderen. Nach den ersten Songs mussten wir leider weiter. “Allein, Allein” haben wir daher nur als Publikumzwischenrufe gehört. Gefühlte zwei Sekunden im Gitarrensound der Briten The Baddies haben für eine klare Meinungsbildung leider nicht ausgereicht. Gitarren und Briten tönt jedoch schon mal gut. Dann ganz am Schluss ein, bzw. wohl DER Höhepunkt: White Lies. Düstere Songs über Tod und Vergänglichkeit. Nicht nur wir waren begeistert von der dunklen Stimme und dem treibenden, kraftvollen Sound. CHECK IT OUT!

Hollywood Mon Amour sind das neue Projekt des Mannes hinter Nouvelle Vague und spielen Filmsongs aus den Achtzigern und Neunzigern. Tönt als Beschrieb viel versprechend, war live aber enttäuschend öde. Von You Me At Six und Ghinzu gabs saftige Gitarrenklänge auf die Ohren, Novastar sind mit ihrem „Coldplay? Keane? Saybia?“-Sound sicher nicht originell und haben das Rad nicht neu erfunden. Wir sind halt einfach anfällig auf süffige, melancholische Melodien und haben gerne etwas mitgesummt und geschunkelt. Mit einem lauten Posaunenstoss und isländischen Ausrufen hat sich Helgi Jonsson Gehör verschafft. Glücklicherweise wurde gleich danach das Blasinstrument durch eine Gitarre getauscht. Traurige, schöne Lieder, vorgetragen mit ansteckender Ergriffenheit – nach dem doch leicht verstörenden Auftakt sind wir verzückt und verzaubert im kleinen Raum mit alter Tapete und Kronleuchter gestanden.

Im Gegensatz hierzu boten Birdy Nam Nam lauten Electro. Wir meinen uns zu erinnern, dass sie als „günstigere Variante von Justice“ bezeichnet wurden. An ihren Namen konnten wir uns aber am Sonntag noch nicht korrekt erinnern, was eine unterhaltsame Diskussion darüber ausgelöst hat, ob holprige Bandnamen den grossen Durchbruch verhindern können oder nicht.

Empfohlen wurden ausserdem: Hjatalin, Deichkind, Esser, Bonaparte, Girls In Hawaii, Automatic Eye, Katzenjammer, Bodi Bill.

Einigen Bands werden wir diesen Sommer sicher auf zwei, drei Festivalbühnen auf dem Kontinent oder der Insel wieder begegnen. Wir freuen uns darauf und erholen uns derweil von einem grossartigen, aber anstrengenden Wochenende.

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