Es ist kalt. Immer noch kalt. Still ist es schon seit geraumer Zeit in unserer Stadt. Sehr still. Ein Pilgerort für Musikwahnsinnige, wo drei Tage im Jahr der Ausnahmezustand herrscht und die Busfahrer vor Platzangst lieber nach Schoren fahren als in den Westen. Unverständlich! Eine Stadt welche der Bevölkerung drei Tage Freiheit und Musik beschert. Nicht Zürich, nicht London und nicht New York?! Für diesmal darf es St. Gallen sein. St. Gallen und sein Open Air. Was sonst bitteschön?
„Der Schnee sei nun geschmolzen“, dröhnt es aus dem Fernsehkasten und „die Winterdepression ist erfolgreich überstanden“ predigen die Natur Magier. Das erhofft man sich zumindest, während dem, die letzten „Sigur Ros“ Strophen im Hintergrund vor sich hin plätschern. Musikfreaks wünschen sich die warmen Sommerwochen zurück. T-Shirts und Flip Flops! Tage an denen alte Oasis-Hymnen mit Stolz gehuldigt werden als ob sie nie vergessen wurden. Tage an denen poetische Ryan Adam’s Songs die Liebesnächte heimsuchen und Tage, an denen Pete Doherty mehr Auftritte an den Festivals überlebt als in den Boulevardschlagzeilen.
Ach, ein Hauch Sommer. Wie schön auch. Ein Hauch Open Air und ein Hauch Körperduft, dass nach 3 durchtanzten Tagen keinesfalls den Duftpreis bei Dior gewinnen wird. Doch das gedankliche hin und her vom unsterblichen Winter, bis hin zu den tiefen des Sittertobel‘s lassen von der Realität nicht ab. Man kehrt schneller zurück als man denkt und kämpft gegen die Normalität der Banausen. Die Normalität nicht ans Open Air zu denken im Winter. Wie kann man nur! Ein Skandal!
Zurück ins kalte St. Gallen, an denen sich sogar die Nordischen Musiker am Nordklang fragten, ob diese Stadt nicht eine verlorene Skandinavische Musikmetropole ist. Naja, man darf ja noch träumen. Träumen von einem Winter Open Air, einem Open Air mit Schnee und unglaublich guten Bands. Open Air und Winter? Geht das?“ Am besten den ganzen Winter hindurch“ kreischen die Stimmen in meinen Kopf. Am besten 365 Tage lang und am besten mit „Sigur Ros“. Am besten mit vielen Stars, aber keine „Musicstars“, am besten mit viel Freunden und schlussendlich wäre es am besten, das Open Air im Winter nicht zu ignorieren. Ich appelliere an eure Vernunft.
Vielleicht ist der Winter ja die goldigste Zeit für Open Air Liebhaber. In welcher Jahreszeit konstruiert man sich sonst so viele Listen mit möglichen, unmöglichen, fast möglichen, fast unmöglichen Bands für das Open Air? Wieso nicht Radiohead? Wieso keine Winterbühne mit Nordischen Bands? Fragen über Fragen, Listen über Listen, Wünsche über Wünsche sowie „Kasabian“ als unmöglicher Hauptact und Facebook als fast möglicher Werbepartner. Ach, es ist Winter. Es hat Schnee und im Hintergrund singt immer noch Björk. Ist ja klar. Nach Portishead folgt immer Björk. So sollte es zumindest sein. Es ist ja Winter und nicht Sommer oder sehe ich so aus, als ob das Open Air auf meiner Dachterrasse stattfinden wird? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich ist der Schlamm gemütlicher als der Schnee, das melancholische Träumen wertvoller als das Warten, die Hoffnung seine persönlichen Lieblings Bands zu sehen tiefgründiger, als den winterlichen Bauchspeck weiter zu fördern. So heisst es zumindest im Volksmund. Aber was wissen wir schon über den Winter und seinen unheimlichen Facetten. Was versuchen wir zu wissen, ausser das im Sommer das Open Air stattfinden wird und das Wetter sicherlich auf unserer Seite sein wird. Hoffentlich auch. Das wäre ja gelacht wenn nicht. Aber trotzdem ist es gut zu wissen, dass hinter dieser Schneewand und dieser Kälte auch ein Frühling existiert. Das heisst, man darf wieder von „Belle & Sebastian“ träumen und den „the Verve“. Von all den Bands, welche im Winter den Leidensmythos für ihre Fans zelebrieren, welchen wir angehören. Schöne Musik, welche nicht nur den Schnee vor sich hin schmelzen lässt, sondern auch unsere letzten Winter-Leiden beseitigen wird. Was für eine Erfüllung. Es ist bald wieder Open Air Zeit. Das heisst es wird wieder lauter. Viel lauter. Und das schöne daran ist, das Björk immer noch singt….und ich träume weiterhin noch von den „Crystal Stilts“ auf der Sternenbühne. Ach, wie schön liebes Open Air.


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