the Rifles und der fehlende Beatles-Touch

Mit England ist es eben so eine Sache. Bist du irgendwann mal musikalisch gut und hast ein bisschen Erfolg schnappt schon bald die  Kinks-Jam-Oasis-Libertines Falle zu.  Wenige Bands grenzen sich von diesem Vergleichsdruck ab und drohen zu scheitern. Wenige überleben. Zu gross ist der Druck, zu brutal die Englische Musikpresse. Die Rechnung wurde aber ohne the Rifles gemacht! Ihr Debüt „No Love Lost“ von 2006 war und ist ein ordentlich solides Ohrwurm Rockalbum, welches sich trotz prominenter Fangemeinde wie Oasis, Paul Weller und Graham Coxon sehr langsam durchsetzte. Seitens der englischen Musikpresse fehlte die nötige Unterstützung, was bei mir doch ein leichtes Kopfschütteln auslöste. “Der nötige Beatles-Touch fehlt!” warfen Kritiker den Rifles vor. Man tat sich schwer mit der Trendwende im Mutterland des Pop. Der Brit-Rock wurde nun neu definiert und das merkten am Schluss auch die Engländer. Zum Glück. Songs wie „Peace and Quiet, Local Boy, Lost in London und When I’m alone“ stürmten die UK Charts und zelebrierten den Anfang einer neuen Ära in der Brit-Rock Szene. Für den Film „Bigga than Ben“ spielten the Rifles die Filmmusik (für mich, der Film mit der besten Filmmusik überhaupt!)
The Rifles zweites Album „Great Escape“ erschien erst kürzlich in den Plattenläden und knüpft an den Erfolg des ersten Albums an. Mit Mellotron und Geigen wurden einige Stücke verziert. Der Album Titelsong “Great Escape” ragt aus dem Album heraus. Ein Zeichen der Reife. Zusammen mit ihrer Bühnenpower und der speziellen Stimme von Rifles Kopf Joel Stoker, bringen diese Jungs jede Bühne zum kochen. Wer sich selber überzeugen möchte geht am 16. April ins Abart und lässt sich dort vom Rifles Virus infizieren. Tickets sind noch erhältlich.

Eine Band, die unbedingt ans Open Air St. Gallen gehört! Und dann bitte auf der Sternenbühne.
Noch sind die restlichen Bands fürs Festival nicht bekannt. Mit den „Streets“ lag ich ja richtig. Wie wäre es mit einem zweiten Treffer ins Richtige?

Bis zur Verkündung des restlichen Open Air Programs heisst es weiterhin “tapfer durchhalten”. Und für alle anderen ein kleiner Rifles-Vorgeschmack. Bitteschön (den Links folgen).

the-rifles

the Rifles – Repeat Offender

the Rifles – Local Boy

the Rifles – Peace and Quiet

Down in the past.

Sonntagabend. Tatort Zürich. Pünktlich steigen Mando Diao – unterstützt von einem Sänger/Perkussionisten/Trompeter und zwei Background Sängerinnen – auf die Bühne und knallen dem Publikum ein eineinhalbstündiges Best-of-Set um die Ohren. Woohaa! Schon nach zwei Exemplaren aus ihrem unerschöpflichen Fundus an Hitmelodien haben sie das ausverkaufte X-tra spielend um den kleinen Finger gewickelt. Noch vor zwei Jahren sind die tollen Songs teilweise der ungestümen Energie zum Opfer gefallen und kamen live etwas überstürzt daher. Jetzt tönt es ab der Bühne präzise und sauber, ohne dass die Band ihre Spritzigkeit verloren hat. Ältere Stücke werden in neue bzw. Acoustic-Versionen verpackt und diejenigen ab „Give Me Fire“ lassen einfach kein Bein ruhig stehen. Das Publikum dankt es mit begeistertem Klatschen und Tanzen (nun ja: Hüpfen). Eine Win-Win-Situation, gestern in Zürich, denn beim artigen Verbeugen strahlen die Schweden vor Freude ab dem gelungenen Konzert mit dem Publikum um die Wette. Die halbstarken Rotzlöffel sind zu charmanten Entertainern geworden. Steht ihnen sehr gut.
Wir freuen uns auf den Auftritt im Sommer bei uns im Sittertobel!
„Dance With Somebody“ hallt noch immer nach im Kopf und wird – zumindest in der Vorphase – zur Festivalbürohymne erkoren. I’m gonna sing it all night long…

Friday I’m in love.

Freitag. Dieser seltsame aber durchaus unterhaltsame Tag der Woche, wo alles etwas anders rollt und jede/r irgendwie ausserhalb der Routine tickt. Wir machen heute mit euch eine Umdrehung in der Zentrale (das deutlich hörbare Knacken kommt vom Bürostuhl, der auch schon frischere Tage erlebt hat):

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Die Statisten: Unser Hauptwerkzeug, der PC. Die zwei Bildschirme rühren nur daher, dass unser Telefon mit demCompi gekoppelt ist und es uns bei jedem der immer häufiger werdenden Telefonanrufe eine Maske auf den Bildschirm haut und alles zupappen würde, hätten wir nur einen Gucker. Dann: Kaffee. Viel Kaffee. So viel, wie wir trinken, könnte George Clooney grad einen Werbespot in unserem Büro drehen. Neueste Studien widerlegen ja ältere Studien, welche besagt haben, Kaffee entziehe dem Körper Wasser. Wir trinken aber trotzdem welches (bitte mit Bläterli). Wichtig für den Blutzucker und die Energie: Früchte. (Die ungesundere dunkelbraune, süsse Energiequelle haben wir in der Küche versteckt). Mittlerweile liegen da eine Banane und ein Apfel weniger. Dann die Arbeitsutensilien: Einiges an Papier, Notizen, Zeichnungen und Lesestoff. Kisten mit einer Auswahl vom Merchandising (weitere Kartonkolosse stehen im Raum nebenan). Eventuell sieht jemand ja den silbernen Dino, den uns eine Freundin “für schwache Minuten” geschenkt hat. Wird da ein Bleistift gespitzt, läuft das lustige Kerlchen über den Pult.

So sieht bei uns die OpenAir Vorphase aus. Euren Kommentaren entnehmen wir, dass auch ihr schon etwas vom Fieber gepackt wurdet. Wir sind immer wieder gerührt ob der Leidenschaft, die unserem – und natürlich: eurem – Festival entgegengebracht wird. Das macht Freude, ehrlich! Jetzt sollte nur noch das Wetter mitspielen – kann ja nicht sein, dieses kalte Nass da draussen. Nächste Woche solls aber bessern, hat der Mann im Radio heute Morgen gesagt. Ja, hoffentlich. Denn dann steht der OpenAir Vorfreude wirklich nichts mehr im Weg.

So long, wir melden uns wirklich bald mit News zu den Bands (weil, sind wir ehrlich: eigentlich habt ihr nur bis hierhin gelesen, um zu schauen, ob noch etwas diesbezüglich kommt…).

Cheers, ihr Lieben, wir freuen uns aufs Ausschlafen und ein paar Konzerte am Wochenende. Bis bald.

Friday I'm in love.

Freitag. Dieser seltsame aber durchaus unterhaltsame Tag der Woche, wo alles etwas anders rollt und jede/r irgendwie ausserhalb der Routine tickt. Wir machen heute mit euch eine Umdrehung in der Zentrale (das deutlich hörbare Knacken kommt vom Bürostuhl, der auch schon frischere Tage erlebt hat):

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Die Statisten: Unser Hauptwerkzeug, der PC. Die zwei Bildschirme rühren nur daher, dass unser Telefon mit demCompi gekoppelt ist und es uns bei jedem der immer häufiger werdenden Telefonanrufe eine Maske auf den Bildschirm haut und alles zupappen würde, hätten wir nur einen Gucker. Dann: Kaffee. Viel Kaffee. So viel, wie wir trinken, könnte George Clooney grad einen Werbespot in unserem Büro drehen. Neueste Studien widerlegen ja ältere Studien, welche besagt haben, Kaffee entziehe dem Körper Wasser. Wir trinken aber trotzdem welches (bitte mit Bläterli). Wichtig für den Blutzucker und die Energie: Früchte. (Die ungesundere dunkelbraune, süsse Energiequelle haben wir in der Küche versteckt). Mittlerweile liegen da eine Banane und ein Apfel weniger. Dann die Arbeitsutensilien: Einiges an Papier, Notizen, Zeichnungen und Lesestoff. Kisten mit einer Auswahl vom Merchandising (weitere Kartonkolosse stehen im Raum nebenan). Eventuell sieht jemand ja den silbernen Dino, den uns eine Freundin “für schwache Minuten” geschenkt hat. Wird da ein Bleistift gespitzt, läuft das lustige Kerlchen über den Pult.

So sieht bei uns die OpenAir Vorphase aus. Euren Kommentaren entnehmen wir, dass auch ihr schon etwas vom Fieber gepackt wurdet. Wir sind immer wieder gerührt ob der Leidenschaft, die unserem – und natürlich: eurem – Festival entgegengebracht wird. Das macht Freude, ehrlich! Jetzt sollte nur noch das Wetter mitspielen – kann ja nicht sein, dieses kalte Nass da draussen. Nächste Woche solls aber bessern, hat der Mann im Radio heute Morgen gesagt. Ja, hoffentlich. Denn dann steht der OpenAir Vorfreude wirklich nichts mehr im Weg.

So long, wir melden uns wirklich bald mit News zu den Bands (weil, sind wir ehrlich: eigentlich habt ihr nur bis hierhin gelesen, um zu schauen, ob noch etwas diesbezüglich kommt…).

Cheers, ihr Lieben, wir freuen uns aufs Ausschlafen und ein paar Konzerte am Wochenende. Bis bald.

Liebe vakuumverpackte Welt

Wir warten. Und warten. Und warten. Die hitzigsten Diskussionen zum schon bestehenden Programm sind abgeflaut, die eigene Meinung steht, man aktualisiert die Openairwebpage nur noch ungefähr zwei Mal pro Tag (oder hast DU etwa seit vorgestern nicht mehr vorbei geschaut??? Schäm dich!)  und wurde auch schon wieder zu hart an all die anderen Sorgen erinnert. Das Erntedankfest für das Openairteam zur Beglückwünschung des vollen Programms lässt auf sich warten..
Durch (gemeinen, hinterhältigen und total unberrechtigten) Schnee und Finanzkrise, Abschlussprüfungen, Maturaarbeiten und Frühlungsgefühle (beziehungsweise eben nicht) werden wir abgelenkt, und unwillwürklich vermisst man die Vorfreude schon wieder. Alles steht still…
Aber zaudert nicht, ihr Völker. Wie damals, am letzten Openairsonntag, als sich zwischen dem Swisscomteil und den restlichen Ständen in Hauptbühnennähe plötzlich ALLES staute. Irgendwie wollte das versammelte Sittertobelvolk am gleichen Punkt in zwölf verschiedene Richtungen, in der Mitte ein kleines Lieferwägeli mit einem supergelaunten Fahrer, und das Erfrischungswasserzerstäubermotorendings, welches gerade diesen Moment aussuchte um ausnahmsweise reibungslos zu funktionieren, tat sein bestes um die auswegslose Situation perfekt zu machen.
Aber sind wir verzweifelt? Nein, nach viel Rumgeheepe, Gelächter, Schubsen, Drängeln, Entschuldigungen und angesäuselten Anmachsprüchen kam jeder dahin, wo er auch hinwollte und man sah die letzten zehn Minuten des angestrebten Konzerts noch mehr oder weniger unversehrt.
(Hier ein Aufruf an alle, die ebenfalls in diesem Knoten stecken blieben; schreibt einen Kommentar und wir können zusammen in Erinnerungen schwelgen…)

So wird es auch jetzt sein. Geduld ist angesagt… Ihr habt all die Live-Aufnahmen der diesjährigen Künstler schon auswendig gelernt? Sparsäuli geschlachtet, Ticket gepostet, die schlimmsten Zeltgemeinschaftsangebote elegant umkreist? Dann dreht Däumchen, bastelt Lampione, streut Gerüchte, fahrt in die Frühlingsferien, erzählt bisher unveröffentlichte Samstagnachtstories vom letzten Jahr… Heepet, macht schöne Frauen an, schubst, drängelt, entschuldigt euch, lacht, seid tapfer! Ewig dauern tut nichts.

eure countdown in die agenda malende
Raphaela

Ach und Ps: falls die übrigen Bands genau 2 Stunden nach diesem Blog erscheinen sollten- herzlichen Dank aber auch, und das wäre so was von typisch Raphaela.

Ein bisschen Woodstock gefällig?

“Freedom, give it to me
That’s what I want now
Freedom, that’s what I need now
Freedom to live
Freedom, so I can give”
(Jimi Hendrix)

Das Streben  nach Freiheit und Ungebundenheit kennzeichneten das Revival des Rock ‘n’Roll Ende der 60er Jahre. Woodstock lebte und war das Kult-Ereignis schlechthin. Jefferson Airplane, Jimi Hendrix, the Band und viele mehr eroberten die Herzen der Menschen. Die Gesellschaft war im Umbruch. Ein Hauch Ektase sowie ein Hauch Vollkommenheit machten die Mischung perfekt. Die Musik war das Sprachrohr des Volkes. Woodstock. Die Menschen wurden eingeladen eine neue Welt zu entdecken. Immernoch Woodstock. Man war eins mit der Musik und somit unsterblich. Was ist geblieben von dieser Zeit? Ist Musik immer noch unsterblich?

Wir schreiben das Jahr 2009. Die Musikalischen, politischen und gesellschaftlichen Umstände sind nicht mehr dieselben. Früher war es Vietnam, heute ist es die Finanzkrise. Einige schworen auf die Bibel, heute haben wir MTV. Die Musik ist schon lange nicht mehr der Schlüssel zur Unsterblichkeit. Der Mensch braucht „Unterhaltung“. Unterhaltung? Äähmm, was heisst Unterhaltung? Für die einen heisst es Party machen und für die anderen steht der musikalische Aspekt im Vordergrund. Einen Vergleich zwischen der ehemaligen Woodstock- und der heutigen Open Air SG Generation ist vielleicht ein bisschen waghalsig, aber trotzdem konnte ich mir einige Überlegungen nicht verkneifen. Es wäre mutig, das ganze mal richtig zu analysieren. Ein Buch zu schreiben wäre eine Möglichkeit. Aber es ist nicht meine Aufgabe, euch mit einem 599-seitigen Bericht zu erschlagen. Noch nicht. Lieber möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Gedankenwelt ermöglichen. Kleine verwirrte Gedankensätze serviert in verschiedenen Räumen meiner Hirngespinste, Sprünge zwischen den Zeiten und Musikepochen innerhalb dieser Welt und den dabei entstandenen Gefühlen. Bitte nicht drängeln und ja, lasst euch nicht verwirren. Eintritt auf eigene Gefahr!

Raum 1: Gestern und heute…
Die aktuellen Geschehnisse auf dieser Welt sind unberechenbarer den je. Klar ist aber, dass die musikalischen, politischen und gesellschaftlichen Umstände nicht mehr die selben sind wie zu jener Zeit. Unverkennbar ist auch, dass die Menschheit eine andere Auffassung von Musik hatte als heute. Dementsprechend liess man sich von den Festivals mitziehen oder eben auch nicht, man liebte oder hasste es. Vorallem hier, in den verschiedenen Meinungsauffassungen im Bezug auf Festival‘s, sind parallelen zu finden mit der heutigen Gesellschaft, wenn auch nicht in allen Bereichen. Zwei Festivals, zwei verschiedene Welten. Wann bitteschön kam die Einladung für das betreten der neuen Welt? Hab ich verschlafen? 

Raum 2: Bye Bye…
Und heute? Der Mensch möchte “Party, Party, Party, geili Musik” heisst es in einem Kommentar. Eines ist klar, der Typ erhält keinen Nobelpreis für diese Aussage, da sind wir uns wahrscheinlich einig. Er ist wahrscheinlich auch nicht Janis Joplin‘s Sprachrohr aus dem Jenseits, sondern einer von vielen „Ich-pachte-das-Recht-für-die-Gesellschaft-Party-zu-definieren”- Typen. Entschuldigung, ich konnte mir ein Kopfschütteln nicht verkneifen als ich dies gelesen habe. Naja, genug Aussagekräftig war das ganze doch nicht. Seine eigene Auffassung für „Unterhaltung“ lass ich aber bleiben. Ist sein gutes Recht. Trotzdem, solche Pauschalisierungen leisten keinen Beitrag zur weiterführenden Toleranz in der Musikwelt und in der Gesellschaft. Er sagte, dass er nicht ans Open Air komme. Und wir sagen: Bye Bye und viel Spass bei deiner Party.

Raum 3: Woodstock und Baccardi Dome…
Weiter im Kontext. Objektiv betrachtet lässt das Open Air SG klar daraus schliessen, dass die Veranstalter den Mix angepeilt haben, die Kontinuität der Feststimmung auf dem Gelände aufrecht zu erhalten und dem leidenschaftlichen Konzertbesucher eine breite Palette an Liveperformances zu bieten. Eigentlich sollte niemand zu kurz kommen. Man fragt sich nun, ob die Bereitschaft ein Baccardi Dome in eine Open Air Gesellschaft zu platzieren eine vernünftige Massnahme ist die Bedürfnisse einiger Spassmacher zu befriedigen. Andere fragen sich: Ist das Rock ‘n’ Roll? Nein, bestimmt nicht liebe Leute, aber die Veranstalter werden sich einige Überlegungen sicherlich gemacht haben wieso dieses “Partyzelt” immer noch steht. Sei es auch nur der finanzielle Aspekt. Ja ich gebe es zu, ich bin im Herzen ein Hippie und würde am liebsten Woodstockähnliche Umstände am St. Galler Open Air haben. Seht ihr nicht die Plattensammlung an dieser Durchgangswand? Jedes Jahr ein neues Glück, ein neues Musikerlebnis. Jede Platte, ein weiterer Sinn zum Leben. Ist das nicht schön? Und beachtet bitte nicht nur den schönen Rahmen. Aber hey, solange mir das träumen nicht verboten wird, jongliere ich gerne mit solchen Sachen herum. Jedoch finde auch ich, das muss hier auch erwähnt werden, das die Stimmung am St. Galler Open Air einmalig ist. Unbestritten. Und das seit Jahren. Ein Dank gebührt auch dem wunderbaren Gelände. Und vergesst die Jasmin nicht! Wer sonst, darf mit 30‘000 Personen den Geburtstag feiern?

Raum 4: Schöne Momente…
Auf jedenfall darf auch ich dieses Gefühl der Einzigartigkeit miterleben und mich in Ektase tanzen sofern die Bands das einlösen, was ich erhoffe anzutreffen. Ein Hoch auf solche Glücksmomente (kläglicher Versuch von mir eine Schweigeminute einzulösen)!!! Aber wer kann das schon?

Raum 5: Weniger Halli Galli und ein bisschen mehr Nostalgie…
Auch ich kann mich dem Wandel der Zeit nicht entziehen und bin der medialen Unterhaltungswelt ausgesetzt wie ihr. Und vielleicht ist es auch gut so. Aber ein bisschen Nostalgie und Rock ‘ n‘ Roll hat noch niemanden geschadet, sowie ein bisschen weniger Halli Galli Verhalten bei einigen BesucherInnen auch nicht. Wie viele Konzerte und wie viele Partys für das menschliche Wohlbefinden nötig sind, muss jeder Open Air Besucher selber entscheiden oder herausfinden. Viele neue Erkenntnisse aus den Diskussionen im Bus hab ich jedoch nicht gewonnen. Schlussendlich drehen wir uns immer im Kreis. Die Pforten der Wahrnehmung sind in diesem Sinn noch nicht erreicht. Da braucht es ein bisschen mehr als nur “Party” und “nette Konzerte”. Der Rock ‘n’ Roll wird auch in Zukunft seine Geschichten schreiben. Da bin ich überzeugt. Ob mit oder ohne Baccardi Dome, Partybegeisterten Allzeitnörgelern oder allwissenden Musikpoeten. Ja, das ist halt unsere Welt.

Raum 6: Eine Vision, der Ausgang und Sweet Music…
Trotz der differenzierten Betrachtungsweise bezweifle ich, dass Jimi Hendrix seine Gitarre für die heutige Gesellschaft in Flammen stecken würde. Er sollte sie lieber mir schenken. Und mit Feuer spielt man nicht (steht das nicht auf der Zündhölzlipackung?). Eher würde er gekonnt am Baccardi Dome vorbeitrudeln, sich die Menschen ansehen und wieder zurückkehren, zu all den Göttern der Rockmusik, in seine Welt, die Welt der Einheit. Er würde sich zu Janis setzen und ihr sagen:

“Music, sweet music. I wish I could caress, caress, caress. Manic depression is a frustrating mess”

Man sollte auch ihn verstehen. Wirklich…

Vielen Dank für euren kurzen Besuch. Und vergesst beim hinauslaufen nicht, eure “Freiheit zu Denken” mitzunehmen. Dankeschön und bis bald.

Das Programm für die Nachtschwärmer ist komplett.

Late Of The Pier, Shantel & Bucovina Club Orkestar sowie die Schweizer Bands Mizan und redcharly werden unseren Donnerstagsbesuchern einheizen.

Für 5000 Nachtschwärmer – die Tickets waren innerhalb eines Tages ausverkauft – geht das OpenAir St.Gallen schon am Donnerstag, 25. Juni 2009 um 18 Uhr los. Ein Teil des Geländes (Bereich Sternenbühne sowie ex-Heubühne hinter der Brücke) sind bereits geöffnet, einige Bars sind „ready to party“ und auf der Sternenbühne geben sich angesagte Acts die Klinke, bzw. das Mikro in die Hand.

Die quirligen Late Of The Pier gehören zu den angesagtesten Acts auf der Insel momentan und werden das Publikum mit ihrem zeitgenössischen Electropop zum Tanzen bringen. Auch beim Balkanelectropunk von Shantel wird kein Bein ruhig bleiben. Die Ostschweizer Band Mizan wird mit ihren kosmo- und kulturpolitischen Songs etwas Orient ins Sittertobel bringen und die Zürcher redcharly sind bereit für die grossen Bühnen.

Der Zeitplan für die heisseste Vorabparty des Ostschweizer Sommers:

19.30 – 20.15: Mizan
20.45 – 21.30: redcharly
22.15 – 23.15: Shantel & Bucovina Club Orkestar
24.00 – 01.00: Late Of The Pier

Einlass am Donnerstag nur via Eingang Ost – St.Gallen. Ab 17 Uhr fahren gratis Shuttlebusse vom Hauptbahnhof und Parkplatz Breitfeld zum Eingang Ost – St.Gallen (keine nummerierten Busse).

Liebe unverständliche Welt

Ein Spion hat mir den Zaunpfahl ins Herz gerammt, meinen Kopf leergefegt und nun steht nur noch ein einziger Satz kursiv gedruckt im leeren Raum:

WAS im Namen aller Heiligen machen Travis am Gurtenfestival?

Sie fragen nach dem Weg nach St.Gallen – das wäre die einzige logische Erklärung. Betet mit mir und opfert eure Gummistiefel

eure sternenguckende Raphaela

Die Kunst der Vielfalt

Gelobt von den einen, kritisiert von den anderen. Das sich jährlich wiederholende Spiel geht in die nächste Runde! An Gesprächsstoff mangelt es an diesjährigem Open Air Programm sicherlich nicht. Das St. Galler Tagblatt berichtete wenig spektakulär von diesem Line-Up Ereignis. Sie konnten es sich aber nicht verkneifen, Mando Diao’s „Give me fire“ als Oasis-Verfolger-Hit-Nr.1 anzukündigen. Auch der Frisurenvergleich war schon ein bisschen ins leere gegriffen (das war mir schon ein kleines schmunzeln Wert!).

Was auffällt: Das Open Air St. Gallen besticht nicht mit riesigen Highlight Acts dafür aber mit Vielfalt. Reich an Qualität, arm im Bezug auf “grosse” Namen! Die Kritik der Enttäuschten, ist aber sicherlich berechtigt. Zu gross waren die Erwartungen an das Festival, dementsprechend gross auch die Enttäuschung am Tag der verkundeten Nachricht. Der hohe Ticketpreis schlägt Unschlüssigen auf den Magen, gefolgt von der Erkenntnis „Wo bleibt dann der meeega Act wenn ich schon soviel bezahlen muss?“  Naja, es ist wahrscheinlich nicht der richtige Zeitpunkt um über die Machenschaften der Musik-Business Welt zu sprechen. Man hätte den Blog schon anderst beginnen sollen. Die Geschichte der Vinyl bis hin zum Open Air Ticket Preis erzähl ich euch evt. in einem anderen Blog. Auf jedenfall liegt es in der Kunst des Betrachters die Gestaltung des Open Air SG Line-Up zu werten. Über Geschmack lässt sich ja angeblich streiten. Oder doch nicht?

Ich nahm das Programm nüchtern zur Kenntnis:  keine Radiohead, kein Ryan Adams, keine Verve!!! Puuh…Auch keine Sigur Ros. Ich versuchte zu filtern, das hervorzuheben was mir sonst noch gefällt, mich anspricht und reizt. Seite 1 bis 6 eines Skripts mit bestätigten Bands wird durchgeblättert, wieder nach vorne zu Seite 5. Kleine Gedankenpause, weiteres herum blättern : Nick Cave, Flaming Lips, Get Well Soon, Editors, Cold War Kids, the Streets. Meine persönliche Highlight Liste im Moment. Sechs vielverspechende Konzerte und noch 12 ausstehende Acts. Als fast schon lauter ”Geheimtipp” zählt sicherlich auch die zur Zeit sehr erfolgreiche Sophie Hunger.

Zeit der Besinnung. Ich versuchte meinen ersten Eindruck einzuordnen.  Der optimale Gefühlszustand zwischen „Enttäuschung“ und „Interessiert sein“ sowie „Freude empfinden“ hielt sich etwa im Gleichgewicht. Ich habe mich am Abend vorher ein bisschen darauf vorbereitet. Man weiss ja nie. Enttäuscht war ich, weil der Traum Ryan Adams und Okkervil River zu sehen (wahrscheinlich) geplatzt ist. Interessiert bin ich, weil man von den Liveauftritten von den Flaming Lips und Get Well Soon sehr gutes Gehört hat und Freude empfinde ich, das die Bekanntgabe der restlichen Programms, doch noch die eine oder andere Überraschung bringen wird, womit wir wieder beim Thema Träumen angekommen sind.


„Wir brauchen mächtige, goldene Begattungen“
(Jim Morrison)

Jim Morrison’s poetischer Vers wiederspiegelte meine persönliche Erwartungshaltung vor der Bekanntgabe des diesjährigen Programs. „Entdecken wir die Mythen des Musikzeitalters“ war mein Tagesmotte am Mittwoch Morgen sowie die damit verbunden Aufbruchstimmung nach dem Kaffe. Beim herausgehen noch schnell „Death in Vegas“ gesucht und gefunden. iPod und ich waren Startklar. Hektik herrschte in meiner Geisteswelt: „Oasis Ja, Oasis nein, And you will know us by the trail of dead am Open Air?! Unbedingt!  Verdienen wir sie überhaupt oder sie uns? Ist diese Frage überflüssig? Was, wenn „Wolf Parade“ am Freitagabend spielen würde, unter der Voraussetzung man möchte ein weiteres Spektakel, ähnlich wie das Arcade Fire Konzert vor zwei Jahren erleben. Das wäre ja der absolute Wahnsinn!!! Und wie würde Frau Frei vor Freude ausflippen wenn die „Great Lake Swimmers“ unser Festival besuchen würden?

Die Zigarette fertig geraucht und zehn Schritte vom Eingangsbereich der Parterrestufe entfernt, lief ich Musikhörend ins Büro und wartete gespannt. „Es wird gut kommen, da bin ich mir sicher!“. Es ist genau dieser, für Open Air Zwecke elend dienende Optimismus, welche mir die „Hoffnung stirbt zuletzt-Phrase“ ins Gehirn schreit und mir ein bisschen zusetzt. Noch einmal ganz tief durchatmen und hoffen.


„Irgendwann kommt der Augenblick, wo wir die Augen öffnen und in einer anderen Welt erwachen. Vor mir, liegend und stehend zugleich, die unendliche Welt mit dem Namen „Realität. Ein unglaublicher Planet voller Individuen und Gefühlen umgibt dieses Auge der Zeit. Ich bin wach.

Wo liegt der Unterschied zwischen Freude und Enttäuschung? Dürfen wir uns getrauen von Glück zu reden? Diese Welt hier, ist kälter und ungerechter als meine. In meinen Träumen erfüllen sich meine Wünsche und ich bin nicht enttäuscht….“ (Antonio Leanza)

Im ersten Augenblick durchlief ich die Gefühlswelt der Enttäuschten und Glücklichen, der Kritischen und den Uninteressierten. Zurück von meiner Entdeckungsreise bleiben mir folgende Erkenntnisse : Dieses Open Air lebt von der musikalischen Vielfalt. Sie lebt von Überraschungen und der Qualität der verschiedensten Künstler. Leider gibt es auch wieder Wiederholungstäter wie Mando Diao oder Stress. (Zur Info: Sollte von beiden der letzte Auftritt sein am Open Air St. Gallen gemäss Abo-Stempelkarte) Dieses Open Air lebt aber auch von konstruktiver Kritik am Festivalprogramm selber, was das ganze auch wieder interessant macht. Die goldene Mitte des „perfekten Festival“ Programms für alle, gibt es nicht oder ist soweit noch nicht bekannt. So dynamisch wie sich der Mensch in der Gesellschaft entwickelt, geradeso identisch entwickelt sich auch die Musik mit all ihren Facetten und Reizen. Die Messlatte im Vergleich mit Internationalen Open Air’s ist hoch, die Erwartungen an den Veranstalter enorm und unser Durst nach grösseren Namen und immer besseren Highlights endlos.

Wären wir wieder beim „perfekten Programm“.

Für alle Nachtragenden und immer noch bitter Enttäuschten Fans verabschiede ich mich liebevoll mit einer passenden Schlusszeile von Jim Morrison (Der Jim hat es in sich. Wird heute schon zum zweiten mal von mir erwähnt!):


„wir können unsere eigenen Königreiche erfinden

Prächtige, purpurne throne, jene sitze der gier

& lieben müssen wir, in betten aus rost hier“

Freaky Friday No. 9

Ha! Das wollten wir schon lange posten. Frühling bringt ja neben Freude und Sonne auch Pollen mit sich. Dem wird in unserem Office mit Skepsis bis Missmut entgegengeschaut – Frühlingsgefühle hin oder her. Taschentuchspenden werden gerne entgegengenommen.