…eine Bank, ein paar Zigaretten später und einige Gedanken zuviel an einem Sonntag. Was für ein Tag. Eine wunderschöne Aussicht. Man sieht, dass der Frühling erwacht. Ich versinke in Gedanken:
Es gibt Zeiten im Leben wo man sich fragt, ob Identitätskrisen auch wirklich Sinn machen. In Zeiten wo Italien das Jagdgesetz liberalisiert, die UBS Arbeitsstellen streicht und die Stadt St. Gallen ihren BürgerInnen Geschenkgutscheine schenkt, sitze ich alleine auf einer Holzbank im Osten der Stadt. 7 Tage nach Ostern, 19 Tage seit meinem letzten Blog. Nicht alles ist immer schön. In Anbetracht von gesellschaftlichen Veränderungen, überlege ich mir weiter ob Herman Hesse’s Glasperlenspiel, der Schlüssel zur musikalischen Revolution ist. Die Klassik lebt von seinem unbegrenzten Universum, seiner Stille und seiner unendlichen Sicherheit. Das sagt Hesse zumindest. Ich versuche ihm zu glauben. Von der Klassik zum Grunge. Der Grunge wiederum, ist die fortlaufende Entwicklung einer Underground Bewegung welche auf den traditionellen Elementen von Rock, Punk und Hardrock aufgebaut ist. Die Musiker von Silverchair zum Beispiel, waren Leidtragende eines Generationenwechsels der nach Nirvana’s Tod unausweichlich war. Man wusste nur nicht, wann und wie das Ende dieser Ära kommen wird. Silverchair und einige wenige Bands mehr waren das Erbe von Kurt Cobains Tod, was der Öffentlichen Wahrnehmung mehr oder weniger miss viel. Der Idealismus des Grunge machte Platz für eine andere Richtung. Der Sinneswandel machte also irgendwo auch Sinn. Die Welt der Musik erhielt ein neues Gesicht und somit neue Möglichkeiten, neue Künstler und Bands. Eine neue Bühne entstand….einmal mehr.
Wenn die Welt von sich behaupten kann ein Gesicht zu haben, dann verbirgt sich eventuell auch was dahinter. So hoffe ich doch zumindest, dass das Warten auf den Headliner nicht mehr all zu lange dauern wird. Das Rätseln soll ein Ende haben! Erlöst uns! Meine Open Air-Band-Trefferquote war dieses Jahr eher bescheiden, was nicht daran liegen kann, das ich wieder in die Stadt umgezogen bin, sondern eher daran, das PJ‘ Harveys neues Album zu neuem interessantem Denken anregt, was ich sehr zu schätzen weis. In einem Kommentar erwähnte ich Devendra Banhart als Wunschheadliner. Genau, ihn will ich, diesen Singer/Songwriter. HA! Glaubt mir, er wäre toll! Auch diese Trefferwahrscheinlichkeit liegt (wahrscheinlich) bei Null. Aus diesem Grund, widmen sich meine Gedanken eher der positiven aber nicht überraschenden Musikrevolte in Amerika. Der Aufschwung des einen, hat einen Abschwung des anderen zu folge. Der Brit-Pop wiederum ist auf der Suche nach seiner Identität. Das Soloalbum von Pete Doherty, ist sicherlich ein kleiner Wegweiser für den Kurswechsel in die richtige Richtung. Nur weiter so edle Ritter und glaubt nicht immer alles was im NME steht.
Wenn ich den Himmel betrachte, weis ich, dass aufgehende Sterne für eine Veränderung im Sternenhimmel stehen. Man betrachte mit Stolz das Bild nordischer Musikkünstler und dem damit verbundenen Optimismus, `das alles wieder gut wird`. Auch in England wird es besser. Das Aufblühen der globalen Musikindustrie in den Augen eines Romantikers wird als Bedrohung aber auch als Chance betrachtet. Die Chance, aus den Fehlern dieses Systems zu lernen…
Irgendwo dahinter zwischen Kriseneuphorie und Alternativer Kunst befinden sich die Flaming Lips. Ihre philosophischen Texte sind klug, ihre Bühnenauftritte spektakulär! Ein wahrer Genuss. Egal ob Experimente mit Kunstblut, aufblasbaren Bällen, in denen sich die Bandmitglieder über das Publikum rollen lassen oder in Tierkostüme gesteckte TänzerInnen, es gibt nichts was es nicht gibt an einem Flaming Lips Konzert. Freitag Abend, Sitterbühne, 00:45-02:00! Kommt und staunt…
“These were not normal guys from normal families – you’re talking about freaks”
Michele Vlasimsky, Flaming Lips manager 1986-1990
“We’re just normal guys trying to make interesting music”
Wayne Coyne, head Flaming Lip, 2001
Bis zu diesem Konzert dauert es noch ein bisschen. Bis dahin werde ich weiterschreiben und denken. Der nächste Blog folgt. Mit im Gepäck eine regionale Band aus der schönen Gallusstadt.
Es grüsst der Sonntagsspaziergänger, Antonio…


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