„Liveauftritte sind wie Drogen. Aber gesunde! Eine Art gesunde Sucht“ (Severin Walz /Vocals/ All Ship Shape)
Mittwochabend. Treffpunkt, Bandraum von All Ship Shape. Man kennt sich schon länger. Bier als kleines mitbringsel-Geschenk.
Rock’n‘Roll ist eigentlich ganz einfach zu verstehen: Man geht zusammen in die Schule, gründet eine Band mit dem Namen All Ship Shape, möchte nicht wie eine klassische Kanti Band klingen, trinkt Bier, spielt während 3 Jahren über 60 Konzerte, wird mit Bierdosen beschmissen, gründet eine WG und am Schluss findet man sich am Open Air St. Gallen wieder. Nicht in einem Zelt, auch nicht im Baccardi Dome, nein, sondern auf der Sitterbühne. Ganz einfach oder?
Der Bandraum ist genau so wie man sich es eben vorstellt. Ein dezenter Zigaretten Geruch im Raum, herumliegende Sachen, ein Tisch mit einem gefülltem Aschenbecher, Zeitschriften, Gitarren, Drums, Posters, einer Bar und mit Eierschachteln tapezierte Wände. Klein und gemütlich. Ein Ebenbild der Band All Ship Shape. Hier entstanden die ersten Songs und hier wird heute noch musiziert. Das Ambiente strahlt Freude und Schaffenskraft aus. Ein Hauch Idylle, einfach ohne Himmel und Horizont dafür starke Gitarrenrifs, Bass- und Drumsrythmen. Trotz Lärmklagen hauen sie in die Gitarren, singen vor dem Mikrophon und tragen Jeans. Organisiertes Chaos, Menschlichkeit und Ausgelassenheit könnte das Motto heissen dieser Band. Nur noch wenige Wochen bis zum grossen Auftritt. Aufgeregt? Noch nicht? Man wirft mir ein Lachen zu „das kommt noch“….
All Ship Shape lassen sich verständlicherweise nicht in ein Schema drücken. Versucht man es trotzdem, ist es eine Mischung aus Indie, wertvollem Gitarrensound, vielleicht ein bisschen Punk und dann doch wieder Britisch. Inspiriert durch Bob Dylan’s und Alex Turner’s Texte, inspiriert durch die Stone Roses, Oasis usw. entstand der eigene All Ship Shape Sound. „Unsere Texte sind nicht unbedingt politisch, sondern handeln eher von Sachen die uns geprägt haben“ erwähnt Sevi, bevor er sich eine Zigarette anzündet. Die Antworten wirken sicher. Man ist stolz auf das bisher erreichte. Auf die Frage ob die St. Galler einfach nur „Wahnsinnig“ sind wurde mit einem leichtem Kopfschütteln erwidert: „Nein, eigentlich nicht“. Authentisch wäre das treffendere Wort, Leute vom Volk eben. Als wahnsinnig kann der fast schon geschichtsträchtige Toiletten Bereich im Bandraum bezeichnet werden. Stellt es unter Denkmalschutz! Als durchschnittliche St. Galler Band möchte man sich nicht abstempeln lassen. Die Liveauftritte geben der Band recht. Die Energie, das Adrenalin welches vor dem Auftritt in jedem einzelnen Bandmitglied hochkommt ist unbeschreiblich sagt Thiemo, der Drummer. Live soll etwas geboten werden, das ist der selbsternannte Schlüssel zur Sympathie, der Schlüssel zum gewissen etwas. Bei meinem Besuch im Bandraum hörte man beim proben sogar Elemente von the Velvet Underground. Lag es an der fehlenden Gitarre oder am Bier? Lou Reed wäre stolz auf euch!
Gespielt haben All Ship Shape praktisch überall in St.Gallen und Umgebung. Man kennt sie. Sei es nun in einer Wohnstube im abgelegenem Bichwil, im strömenden Regen am Sur le Lac oder im Bierhof. Die Band strotzt vor Selbstbewusstsein. In diesem Jahr wird nun geerntet was bis anhin gesät/gespielt wurde. Als Vorband von the Subways im Zürcher Xtra durfte man in den nächst höheren Level aufsteigen und das erste mal grosse Rock’n‘Roll Luft schnuppern. Der Liveauftritt war wie immer gut, die Erwartungen gross, der Applaus prächtig. Applaus gab es nach dem Auftritt auch von den Subways selber. Das lang ersehnte Album ist nun auch in Bearbeitung und wird dieses Jahr evt. im Spätsommer erscheinen. Als ob das nicht schon genug ist, kam die Anfrage des St. Galler Open Airs! Man habe nicht damit gerechnet sagen sie, wie den auch ohne Album? Nach drei Jahren nun der verdiente Höhepunkt. Was kommt als nächstes?
Als aufstrebende St. Galler Band hat man es aber nicht immer leicht in diesem Land. Heisst man nicht gerade Lovebugs oder sieht nicht so aus wie monotone „Music Stars“ ist es umso schwieriger finanzielle Unterstützung zu erhalten, geschweige ein Label auf sich aufmerksam zu machen oder eines zu finden. Das ist klar. Das Internet wiederum biete eine gute Plattform für junge Bands erwähnen die Musiker. Den Sprung ins Ausland zu schaffen soll aber nicht „utopisch“ sein sagen sich die Bandmitglieder. Gewisse Optionen werden nun geprüft. Es sei auch ein Wunsch sich International beweisen zu können. Vielleicht England oder auch Deutschland wie zBsp. the Shell. Man möchte die grosse Bühne stürmen und sich präsentieren. Die nächsten Auftritte und der Erfolg des Albums werden den Weg weisen. Ans aufhören möchten die Jungs aber nicht denken, für das lieben sie die Musik zu sehr. „Man braucht eben Eier…“ heisst es aus der Diskussionsrunde. Ja, das braucht man definitiv…und wieso eigentlich „All Ship Shape“ wollte ich wissen? Warum benennen die Eltern ihr Kind Paul, Judith oder Marko? Etwa die gleich Frage…einfach kein „the“ vor dem Namen heisst es. Hört sich plausibel an.
Meine Frage Runde, entwickelte sich dann zu einer „Auftritt-Erlebnis“ Runde der Band. Ja, und auch All Ship Shape wurden mit Bierdosen beworfen, was die Band aber mit Humor nimmt. Man sei aber erstaunt, dass sich Leute die Mühe genommen haben, im grössten Regensturm und unangenehmer Kälte nach Eggersriet zu pilgern, um die Band mit Bierdosen zu bewerfen. Das ehrt auch! Wer macht das schon? That‘s Rock’n‘Roll….
Das musizieren mit den Instrumenten haben sich All Ship Shape selber beigebracht. Der Städler hatte als einziger ein bisschen Gitarren- Unterricht. Das Experimentieren, die Freiheit, selber wirken zu können wie man möchte, so gut man es kann, sich immer mehr zu entwickeln, gehören wahrscheinlich zu den grundlegenden Elementen des Erfolg der Band. Freundschaft heisst eben auch Toleranz und Spielwitz. Man halte sich nicht an versteifte Theorien. Mit Noten können sie nicht kommunizieren. Für was auch? Bis jetzt hat es ja geklappt. Songs wie „All Ship Shape and Bristol Fashion“, „WOHA-Song“ und „This City is nearly dead“ gehören zu den Auserwählten drei Lieblingssongs der Band. Das letztere schaffte es sogar auf Platz 16 der Toxic Jahrescharts.
3 Jahre Auftritte, experimentieren, WOHA Song in der Graben, WOHA Song in der Lokremise, der Ernennenswerte Hotelaufenthalt nach dem Subways Konzert, das erste mal All Ship Shape auf Toxic und nun der Auftritt am St. Gallen Open Air. Der Weg zum Erfolg ist steinig und hart doch er hat auch seine schönen Seiten. Anderst gesagt ist es nicht immer einfach, doch die Band gehört zum St. Galler Erscheinungsbild, wie die Drei Weiern oder der Dom. Trotz stolzer Bühnenpräsenz, steht die Band vor einem wichtigem Jahr. Schön, erhalten diese Jungs die Chance sich am St.Galler Open Air beweisen zu dürfen. Diesen Schritt braucht es. Dieser Schritt, dieser Auftritt muss noch besser sein als das bisherige. Nun gilt es Ernst. Ein solcher Aufstieg ist schon bewundernswert, doch nun zeigt sich, wie Reif die Band wirklich geworden ist. Ich bin zuversichtlich. Die Band auch…voila, was braucht es mehr?
Hört her ihr lieben Leute: pilgert am Samstag, 27. Juni 2009 zur Sitterbühne. Live on Stage „All Ship Shape“. 12:00 Uhr!!! Unterstützt das junge St. Galler Eigengewächs lautstark, lasst euch vom Liveauftritt mitziehen und trinkt mit den Jungs ein Bier wenn ihr sie auf dem Gelände antrifft. Leute vom Volk eben…die Bühne gehört euch.



Kommentare zu “All Ship Shape und der Weg in den Open Air Himmel !”