Eurosonic Ausflug 2010.

Letztes Wochenende waren wir erneut in Groningen am Eurosonic/Noorderslag Weekend, DER Konferenz für europäische Musikschaffende. Dieses Jahr wurden am Mittwoch zum ersten Mal die European Festival Awards verliehen. Gewonnen haben wir leider keinen, aber die Show war gut. Band Of Skulls boten an diesem Abend Rock’n’Roll pur; ein Trio mit kraftvollem Sound – Jack White und Bonham standen Pate.

Ab Donnerstag wurde uns dann tagsüber ein prall gefülltes Programm mit Meetings, Informationspannels und Diskussionsrunden rund um die Live-Branche geboten. In der Nacht verwandelt sich die Studentenstadt in eine Fundgrube für die heissesten Bands des nächsten Sommers. 41 einzigartige Locations – vom umfunktionierten Stadttheater über charmante, warme Säle bis zum abgef***ten Rockschuppen – laden an drei Abenden ein zu einer Entdeckungsreise durch die europäische Newcomerlandschaft. Bei total über 250 Gigs heisst das jeweils: Klug planen. Oder sich einfach ins Gewusel stürzen und so viel wie möglich aus dem Wochenende mitnehmen.

Schaufenster in Groningen

Wagemutig haben wir uns also gegen den beissend kalten Wind gestemmt, sind durch waagrechten Schneefall gestapft, wurden jeden Morgen von obszön gurrenden Tauben geweckt und haben nach einiger Zeit aufgehört zu zählen, von wie vielen FahrradfahrerInnen wir beinahe umgefahren wurden. „Ich bin auch ein MacGyver“, freute sich unsere Medienverantwortliche und brannte durch. Auch wenn nur einen lästigen Faden mit einem Feuerzeug. Einem Mitarbeiter des Gurtenfestival ging endlich das Licht auf, dass die Bezeichnung „Kip-Burger“ nicht dem zu kippenden Fenster des kongenialen Selbstbedienungsautomaten von FEBO zu verdanken ist, sondern Kip ganz einfach das holländische Wort für Huhn ist.

Unseren Konzertplan haben wir dadurch optimiert, dass wir unsere – mittlerweile auf neun Personen gewachsene Gruppe – häufig aufgeteilt haben, um möglichst viel abdecken zu können. Als erstes standen wir aber vor geschlossenen Türen: Beim The XX Konzert wurden wir aus Platzgründen nicht mehr rein gelassen  – auch mit einem ETEP-All-Access-Bändel nicht. Also Standortwechsel zu einem weiteren „next big thing in the UK“, Marina & The Diamonds, wo wir auch grad zum ersten Mal ernüchtert wurden und den Saal recht schnell wieder verlassen haben. Lucy Love, eine extravagante Dame aus Dänemark, hat uns abgefahrenen Electropop auf die Ohren gehauen. „Die sperren sie nach dem Gig gleich wieder ein“, war das Urteil unseres Sicherheitschefs. Bei Nicolai Dunger haben wir endlich etwas länger verweilen können. Schwedischer Singersongwriter mit Charme. I like! Charme, aber schottischen, gab es auch reichlich bei We Were Promised Jetpacks, die uns mit ihrem kompromisslosen Rocksound in ihren Bann gezogen haben. Lee Everton’s Auftritt war viel versprechend, wenn auch etwas nervös. Chapel Club tönen wie eine Mischung aus den jungen Placebo und Radiohead – tönt viel versprechend, ist aber noch nicht ganz ausgereift. Adiam Dymott aus Schweden verzückten mit charismatischer Frontfrau und spannendem Dancerock. Als uns bei Seabear aus Island erneut der Einlass aus Platzgründen verweigert wurde, war die Zeit definitiv reif für einen Rückzug in ein Pub mit Beschallung unter 90dB.

Am Freitag haben sich 2/3 unserer Gruppe aufgemacht in die etwas weiter entfernten Clubs und folgendes Programm genossen: Ellie Goulding (die nicht enttäuscht hat – im Gegenteil!), Broken Records („Sehr spannende Band.“ vs. „Das Gefiddel nervt mit der Zeit.”), Choir Of Young Believers („Geil.“) und Los Campesinos. Rox boten einen poppigen – vielleicht zu poppigen – Mix aus Amy Winehouse und Incognito; die irischen Villagers überzeugten mit tollen Songs und der kleine, schmächtige Jüngling am Mikrophon überraschte mit einer unglaublichen Stimme. Sophie Hunger hat alle ausländischen Veranstalter umgehauen.
Im Stadtzentrum spielten für uns auf: Cosmo Jarvis – eine bluesigere, kernigere Version der Kooks; Nive Nielsen aus Grönland – zuckersüsse Stimme, Ukulele und zauberhafte Songs; Everything Everything – eine weitere UK-Band mit „best new band“-Stempel, die eher langweilig als überzeugend war; Charlie Winston – Popsoulfunk mit Hitfaktor und Sivert Hoyem – der Madrugada-Sänger mit neuer, rockiger Band aber derselben unverwechselbar sonoren Stimme.

Dann war erneut die musikalische Sättigungsgrenze erreicht und die restlichen Geschichten des Abends bleiben im Backsteinpflaster von Groningen verborgen…

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