Liebe tanzende, feiernde Welt

So, der Startschuss ist gefallen. Donnerstagabend feierte St.Gallen im Waaghaus in den Openairsommer hinein – und Raphaela schaffte es erst auf das letzte Konzert. Ja, mir schmerzt die Seele, ja, es tut mir leid, aber um in dieser gebeutelten Welt bestehen zu können müssen unangenehme Prioritäten gesetzt werden…  READ MORE.

Liebe voranpreschende Welt

Da ist man kaum mal ein paar Täglein weg (jah, Raphaelchen war in Wien, Riesenrad fahren und Big John Bates and the Voodoo Dolls gucken, toll war das!), kommt man zurück und alles steht Kopf. Hoppla.
Musig uf de Gass jubiliert es saftgrün von den Plakatwänden, ein super Anlass, der zeigt dass das Openair unmittelbar bevor steht, und dann guckt man auf den Terminkalender, huch jetzt ist dann gleich Juni und -ohmeingott- im Juni ist das Openair.  Ja, es rollt der Rubel, es summt das Geschäft, es lebt und blüht und wächst in unseren Herzen!
Natüürlich werde ich beim Musig uf de Gass in vordester Reihe rumstehen, bzw wohl meistens tanzen und natüürlich werde ich euch detailgetreue Berichte abliefern- mein verehrter Bloggerkumpan treibt sich derzeit nämlich in der grossen weiten Welt herum, darum übernehme ich das liebend gerne alleine mit meinem Klemmbrett.
Habt ihr Geheimtipps, was man unbedingt gucken gehen muss? Die Namen klingen vielversprechend, allerdings habe ich ehrlich gesagt manches davon noch nie gehört, und ich bin wohl nicht die einzige, der es so geht. Aber das soll ja auch so sein. 
Hier wird das Programm noch ein wenig dankbarer aufgenommen. Einerseits wohl aus dem Ich-kenn-das-alles-nicht-aber-das-kann-man-ja-ändern-Faktor, welchem man mit positiver Neugierde gegenüber steht- warum bei diesem Anlass so, und warum wird dieser Faktor beim Openair selbst so kritisiert?  Vielleicht weil wir hier ein wenig Lokalpatriotismus (oder wie das heisst) an den Tag legen müssen und halt alles kleine aber feine aus der Region lieben, ehren und unterstützen, und das ist auch richtig so, da sich ein paar wunderhübsche Pflänzchen darunter befinden. Ich persönlich empfehle Tomaten und Beeren (mal wieder herzlich lachen und mitwippen und die Synnapsen des eigenen Gehirns komplett neue verkabeln) und das Pullup Orchestra, diese hab ich allerdings noch nie gesehen bis jetzt, sollen aber sehr sehr toll sein (falls ihr das liest, bestätigt es bei mehrwissen ruhig, bitte!), Eno und eine verlässliche Quelle zeigt auf Strandhotel Markus. Probierts, ich denke es wird sich lohnen.
Hauptsache ist, das man Neues entdeckt, Altbekanntes wiederfindet und in die Openairsaison hineinfeiert. Ich bin mir sicher, das werden wir. Und zwar kräftig.
Nun kann man die Wie-viel-mol-mueni-no-schlooofe??-frage mit Händen, Füssen, Nasenlöcher und Ohren schon fast beantworten. Läck ging das rassig…

eure handgelenkvorbräunende Raphaela

Lovebugs und die sechs Benimm-Dich-Regeln

Eine kleine Randnotiz nach dem Ausscheiden der Lovebugs am Euro Vision Contest. Eine Art Tagebuch:

Wichtig: Es gibt ein paar Benimm-dich-Regeln für Musiker und Bands, welche in Zukunft am Euro Vision Contest teilnehmen möchten. Eigentlich sind es sechs. Die lauten folgendermassen:

1.) Geh nicht hin
2.) Machst du es trotzdem, komm am besten nie mehr zurück
3.) Blamier dich nicht länger als 3:50 Min.
4.) Sag nicht Hallo, nicht Tschüss, sag nichts und sag nicht am Schluss, dass du stolz darauf bist!
5.) Bevor du dich für den Contest anmeldest: Denk an deine Kinder!
6.) In diesem Fall könnte Alkohol ein Lösung sein. Man müsste die Präventionsstelle anfragen.

Eigentlich ganz simpel. Nichts gegen Lovebugs, aber Jungs, das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen. So schlecht ist euer Album nun auch wieder nicht. Lovebugs eben. Oder denkt ihr, man kann Abba aus dem nichts toppen? Benimm-dich-Regel Nr. 4. Kleiner Wink an den Lovebugs Frontmann und seinem Statement im „Blick“. Wir tun nun so, als ob wir nichts gehört-, nichts gesehen haben und versuchen zu verzeihen.

Schickt doch den Baschi !!! Und denke daran die Daumen zu drücken. Denke an Regel Nr. 2: chum bring en nüme hei…chum bring en nüme…

Auf den Eurovision Vision Contest
auf Baschi und auf einen “fairen” Open Air SG Auftrtitt von Lovebugs.

Genau…

Liebe vorsorgende Welt

Es ist Hochsaison für schwarze Schwäne, ist euch das bewusst? Unerwartete Dinge schweben wie Pollen durch die Luft und attackieren jeden der vorbeispaziert. Man muss zugeben, den meisten blieb bei der Bekanntgabe des letzten Headliners für ein paar wenige Sekunden der Mund offen stehen- um danach in Gezeter oder Jubelgeschrei auszubrechen. Aber ich will dieses Thema hier nicht noch einmal zerpflücken- es war unerwartet, gäng.

Mich schmiss allerdings der Neuste mehr aus den Socken- Bier und Mineral direkt aufs Gelände bestellen? Eigentlich nicht dumm. Man erspart sich damit Rückenschmerzen, Nachschubholstreitereien und Lagerschwierigkeiten- bezahlt dafür, muss das früh genug organisieren und darf sehr viel weniger rumjammern, was Schmerzen angeht. Für viele sicherlich leichter und auch praktisch, ein kleiner Nebenverdienst für andere. Nur empört mich der Aufschrei, der preiseswegen durch die Menge ging. Wenn man -aus welchen Gründen auch immer- das Grundnahrungmittel eines jeden Openairs nicht selbst runtertragen will, bezahlt man eben, ganz einfach. Sehr böse ausgedrückt- ist man sich zu schade für das eine, darf man sich halt für das andere nicht zu schade sein.
Ich selbst gehöre zu jenen, die am Vorabend fleissig ihre Sirüpchen in diverse legale Gefässe füllen, diese dann umständlich ins Sittertobel schleppen, dabei wird ein Drittel schon mal getrunken, der zweite Drittel wird sich höchstwahrscheinlich über die benachbarten Flaschen ergiessen und der letzte Drittel kommt mit viel Glück dort an wo er hin soll. All das Geklöne über die fünf Liter irgendwas, die auch nicht leicht sind, das übliche Kühlboxenghetto, der Fakt dass das Mineral immer schon Samstagmorgens aus ist und Bier irgendwie eine unversiegbare Quelle,die Jagd nach dem billigsten Getränkehändler, das gehört für mich zu einem Openair -  und so belächle ich die Bier- und Mineralwasserbesteller wohlwollend, und muss leidergottes auch jetzt schon zugeben, dass ich sie spätestens beim ersten Nachmittagskonzert mit fünfundzwanzig Grad im Schatten um ihr ernsthaft kühles Getränk beneiden werde, dazu sind sie noch sehr viel naturfreundlicher als ich, Respekt. Also haben wir beide recht, das ist ja auch schön.
Aber ehrlich gesagt- ich frage mich ob sie uns nächstes Jahr im Tausch gegen Grossmutters Halskette auch das Zelt schon hinstellen…

eure
organisatorisch nicht sonderlich organisierte
Raphaela

Christof Huber packt aus!

Raphaela:
Da packten Herr Antonio und ich also unsere Klemmbretter, Füllfederhalter und all unser journalistisches Können und reisten ins Organisationsmekka der heutigen Spassgesellschaft. Wir wollten uns um einige schwerwiegende Fragezeichen vor unseren Köpfen erleichtern.

Antonio:
Wir staunten nicht schlecht, als wir in die neuen Open Air  Räumlichkeiten eintrafen. An Platzmangel und wenig Getränken dürfte es den sympathischen  Leuten dort sicherlich nicht fehlen. Man entschied sich dann für Ice-Tea und nahm dann gleich auf den Diskutier-Interview Sessel Platz. Bereit waren Stift und Block, bereit waren unsere Fragen und bereit war auch Christof Huber. Der Open Air Chef machte einen entspannten Eindruck. Man merkte, er war sich seiner Sache, seinen Antworten bewusst und es war wahrscheinlich nicht das erste, mal das er zu x-Fragen, x-Antworten geben mussten. Doch wir wollten Ihm trotzdem ein bisschen genauer auf den Zahn fühlen.

Die Frage nach den Organisationsschwierigkeiten fürs Open Air machte auf Huber wenig Eindruck, da er sich das gleiche (wahrscheinlich) schon im Schlaf vor Monaten gestellt hatte. Es lag auf der Hand, dass sich Musikmarkt einige Veränderungen durchmachen und musste und immer noch muss, und zwar in allen Bereichen. Seien es die Bedürfnisse und Erwartungen der FestivalbesucherInnen sowie die anhaltenden Folgen der gegenwärtigen Plattenkrise usw. Die Preise für die Bands seien enorm gestiegen, was sich dann schlussendlich auch auf die Ticketpreise ausgewirkt hat. Man liege aber immer noch im Open Air Durchschnitt was die Preise anbelangt. Die Konkurrenz schläft auch nicht. Da läuft doch noch was in England? Genau, das Glastonbury ist eines der grössten Open Airs überhaupt in England und in Europa. Das mit Abstand am meisten mit Prestige ausgezeichnete Open Air, kann es sich sogar leisten einen tieferen Ansatz für Bands zu bezahlen, wie sonst kein anderes Open Air. Das Festival ist schon ausverkauft bevor das Line Up überhaupt steht! Wir reden hier von einem Champions League artigem Level der Open Airs! Und diese Champions League Partie wird am gleichen Wochenende ausgetragen wie das OASG. Toll nicht?

Nun, was die Leute wahrscheinlich am meisten interessierte, war der Freitagabend-Headliner. Man wartete lange und gespannt auf die Bekanntgabe der Band. Man wartete und wartete, diskutierte über mögliche Bands und siehe da, plötzlich war er da, der Headliner, in der Form von Cypress Hill. Diese Bestätigung hat einige Gemüter erhitzt. “Was die, äähhm wow oder hää?” bis hin “Das ist nun ein Scherz, oder?”. Man erwartete alles und jeden, aber nicht Cypress Hill. Das Wieso, interessierte mich. Notlösung? Und Wen, wollte man eigentlich holen? Huber erwiderte, dass man am Anfang den Fokus auf andere Bands gesetzt hatte. Die Killers hatte man fast schon auf sicher. Anscheinend war der „Hyde Park“ doch interessanter als das OASG. Man vesuchte es mit Blur, die spielen ihr Reunion aber nur in England (auch am Glastonbury!) und Oasis hatten einfach keine Lust, keine Zeit oder was auch immer. Vielleicht gönnen sich die Brit-Rock Ikonen einfach nur ein gemütliches Wochenende, da sie am OASG-Weekend, an keinen Festivals teilnehmen werden. Radiohead war einfach zu teuer, das muss hier auch mal gesagt werden. Man diskutiere über die Doppelmoral von U2 und Radiohead, gönnte sich dabei einen Schluck Ice-Tea und schmunzelte. Etwas Frust war sicher auch dabei, aber okay. Man akzeptiere es. Der Wille war da, das ist unbestritten. Die Umstände liessen dies jedoch nicht zu, zum Frust einiger Open Air GängerInnen. Könnte man mit der grossen Kehle schwingen, wie zum Beispiel das Rock Werchter, welches von der Grösse (Anzahl BesucherInnen) etwa gleich gross ist wie das OASG, aber in etwa das achtfache Budget besitzen, könnte man das ganze auch anderst angehen. Die haben ein Line-Up da kann Mensch nur staunen wenn man es im Verhältnis zum Open Air SG sieht. Sei es nun so. Man orientierte sich neu, versuchte trotzdem ein vielfältiges Programm auf die Beine zu stellen ohne Massenkommerzbands engagieren zu müssen. Man will sich schlussendlich auch treu bleiben. Die grossen Namen fehlen, dafür kann die Breite des Programms eine Qualität verschiedenster Musikgenres/-künstler aufweisen, welche für Überraschungen sorgen werden sagte Huber. Auch in 3 Jahren sollen die Leute vom unglaublichen Flaming Lips Konzert schwärmen und sich dabei Fragen:”Mein Gott, wieso hab ich die nicht vorher gekannt ?”. Die, brauchen zumindest keine 20 Lastwagen für ihr Musikequipment, um dann trotzdem von Umweltschutz und soziale Ungerechtigkeit zu singen. Jaja, so ist es eben. Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral. Dankeschön Bertold Brecht. Auf jedenfall werden Cypress Hill für ein kräftiges Livekonzert sorgen ist sich Huber sicher. Der Sitterbühnenact konkurrenziere sich nun nicht mit den Yeah Yeah Yeahs! Das neue Album ist ja vielversprechend, sagen die Kritiker und ich sage, sie sind reifer geworden als im Vergleich zu ihrem älteren Album „Fever to hell“.

Raphaela:
Nach tiefgreifenden Diskussionen über die Sittertobelessenz  wollten wir auch noch ein paar Gerüchte bestätigt oder eben auch dementiert haben. War an der  Sache mit den Openairgründern ohne Gratistickets was dran? Herr Huber bestätigte dies soweit, tatsächlich bekamen die Sittertobelpioniere keine Gratistickets für die heutigen Festivals. Allerdings müsse man bedenken, dass die Anzahl Urväter, Gründer, Mitgründer,  Mitglieder der Gründergruppe etc. allein schon das halbe Gelände füllen würden. Sporadischen Kontakt zu Fredi Geiger, dem offiziellen Erfinder dieses Volkfestes, sei aber da, und, so betonte Huber, er sei wirklich froh über die Akzeptanz und Neutralität, mit der Geiger der heutigen Form des Openairs begegne. Uns leuchtet ja ebenfalls allen ein, das früher alles besser war, nur will man das nicht jeden Tag hören – und diesen glorreichen Genies, welche auf die Idee unseres Hausopenairs kamen, werden wir immer und ewig dankbar sein.
Die Komiker, oder bessergesagt komischen Musikkünstler, die jedes Jahr traditionsgemäss das OASG heimsuchen, nahmen mich ebenfalls Wunder. Wie kam Herr Huber zu diesen, woher diese Tradition? Diese Frage war aber schnell erklärt. Da Herr Huber ausserhalb des OASG auch im Organisationsbereich tätig ist, kennt er viele dieser Künstler. Vielleicht mögt ihr euch noch an die Heubühne erinnern, auf der früher  nur solche Artisten auftraten? Leider Gottes verkümmerte dieses Kulturobjekt, aber da man trotzdem eine gewisse Abwechslung und Artenvielfalt im Sittertobel beibehalten wollte, kommen jedes Jahr immer noch ein paar wenige Lachmacher, nur eben auf die Sternenbühne.

Bürointerne Fakten interssierten uns natürlich auch. Ich stelle mir nur vor, wenn ich an einem Openairlineup arbeiten müsste, und mein Mitarbeiter neben mir, hätte einen total abgefahrenen Musikgeschmack, der mir gar nicht passen würde… Aber Herr Huber kann mich beruhigen. Natürlich würden kleine Diskussiönchen entstehen, wenn es um Musik ginge, diese verlaufen aber immer ganz friedlich und tun dem Energiefluss im Organisationsbüro keinen Abbruch. Anscheinend gefällt dies Herr Huber ebenso wie mir, denn er verriet uns dass sein Ende als Openairboss noch nicht in Sicht sei… Mein Neid wurde noch ein wenig geschürt, als er uns eröffnete, welche Openairs er ausser das St.Galler sonst noch besuche. Das Gurtenfestival wird von einem Kollegen von ihm organisiert, deswegen wird er dort vorbeischauen, und dann regnete es Zauberwörter wie Glastonbury, Rock am Ring, *****,alles Festivals, die er schon besucht habe. So im Grossen und Ganzen eines bis zwei Schweizer Openairs, und sicher eines europaweit gäbe es schon pro Jahr. Herrjeh, was mussten wir auf unsere Unterkiefer aufpassen…

Antonio:
Mit Yuksek und Birdy Nam Nam habe man die Sparte Electro auch abgedeckt. Es sei klar, das dieses Musikgenre einen Platz auf sicher hat, da die letzten Festivals gezeigt haben, dass ein Bedürfnis da ist. Man sei zuversichtlich, dass diese beiden auch dieses Jahr für Freude sorgen werden am OASG. Ich liess mir dann die Frage nicht nehmen, was im Zusammenhang mit elektronischer Musik, der Baccardi Tempel noch am Open Air zu suchen hat. Genau dieser Tempel, spaltet die Gemüter vieler BesucherInnen und wo liegt die Grenze des Ertragbaren, warf ich Händefuchtelnd in die Runde. Trotz vieler Kritik erwiderte Huber, sei der Baccardi Dom ein Partyzelt und immer gut besucht. Es laufe zwar auch viel House aber man habe auch dieses Jahr geschaut, das zum Beispiel mit Mitsutek ein Lokalmatador der elektronischen Musik welcher für urbane Subkultur steht, den Laden mit speziellen Electrobeats zum kochen bringt. Gut gekontert Christof! Da hat er ein bisschen recht… 

Raphaela:
Zum Schluss mussten wir natürlich den Guru unseres Sommerhighlights nach seinem ganz persönlichen Geheimtipp befragen. Eine Gruppe, die man unbedingt gesehen haben musste, waren die Flaming Lips, kam es wie aus der Pistole geschossen. Eine umwerfende Liveband, eine Riesenshow und eine ideale Spielzeit. Lange habe man gezögert, bis man es wagte, einen so kostspieligen, aber umso spannenderen Act nach St.Gallen zu holen, erzählte er uns. Nun ist es soweit, und Herr Huber rät uns allen, Samstags vor die Sitterbühne zu pilgern. Diesem Rat kommen wir liebend gerne nach, denke ich… Ebenfalls auf seine Topliste steht Peter Fox, da seine Liveshow einfach perfektioniert sei, mit so vielen Leuten auf der Bühne und trotzdem abgestimmt bis ins letzte Detail. Die Yeah Yeah Yeahs werden ebenfalls grossartig, betonte er noch, ebenso Biffy Clyro, Gaslight Anthem – äh – eigentlich alle. Man merkt, Herr Huber gehört zu den sogenannten Kampfopenairgängern, die kein Konzert verpassen wollen…

Raphaela und Antonio:
Huber ist ein abgeklärter Fuchs. Er machte seine Leidenschaft zu seiner täglichen Arbeit. Er hat Ideen und Visionen und muss sich von Jahr zu Jahr neu beweisen. Schwierigkeiten, Kritik und Enttäschungen gibt es immer wieder auf dem Weg, zur erfolgreichen Open Air Organisation. Aber  haben wir das nicht alle im Leben? An dieser Stelle möchten wir uns für seine Arbeit bedanken. Sein Team und er, tragen zu dem bei, was wir schlussendlich anzustreben versuchen: 3 Tage Open Air, 3 Tage Musik und Freiheit, Freunde, Spass, Begegnungen und Freude…

Raphaela und Antonio

Über Krisen, Hesse und den Flaming Lips…

eine Bank, ein paar Zigaretten später und einige Gedanken zuviel an einem Sonntag. Was für ein Tag. Eine wunderschöne Aussicht. Man sieht, dass der Frühling erwacht. Ich versinke in Gedanken:

Es gibt Zeiten im Leben wo man sich fragt, ob Identitätskrisen auch wirklich Sinn machen. In Zeiten wo Italien das Jagdgesetz liberalisiert, die UBS Arbeitsstellen streicht und die Stadt St. Gallen ihren BürgerInnen Geschenkgutscheine schenkt, sitze ich alleine auf einer Holzbank im Osten der Stadt. 7 Tage nach Ostern, 19 Tage seit meinem letzten Blog. Nicht alles ist immer schön. In Anbetracht von gesellschaftlichen Veränderungen, überlege ich mir weiter ob Herman Hesse’s Glasperlenspiel, der Schlüssel zur musikalischen Revolution ist. Die Klassik lebt von seinem unbegrenzten Universum, seiner Stille und seiner unendlichen Sicherheit. Das sagt Hesse zumindest. Ich versuche ihm zu glauben. Von der Klassik zum Grunge. Der Grunge wiederum, ist die fortlaufende Entwicklung einer Underground Bewegung welche auf den traditionellen Elementen von Rock, Punk und Hardrock aufgebaut ist. Die Musiker von Silverchair zum Beispiel, waren Leidtragende eines Generationenwechsels der nach Nirvana’s Tod unausweichlich war. Man wusste nur nicht, wann und wie das Ende dieser Ära kommen wird. Silverchair und einige wenige Bands mehr waren das Erbe von Kurt Cobains Tod, was der Öffentlichen Wahrnehmung mehr oder weniger miss viel. Der Idealismus des Grunge machte Platz für eine andere Richtung. Der Sinneswandel machte also irgendwo auch Sinn. Die Welt der Musik erhielt ein neues Gesicht und somit neue Möglichkeiten, neue Künstler und Bands. Eine neue Bühne entstand….einmal mehr.

Wenn die Welt von sich behaupten kann ein Gesicht zu haben, dann verbirgt sich eventuell auch was dahinter. So hoffe ich doch zumindest, dass das Warten auf den Headliner nicht mehr all zu lange dauern wird. Das Rätseln soll ein Ende haben! Erlöst uns! Meine Open Air-Band-Trefferquote war dieses Jahr eher bescheiden, was nicht daran liegen kann, das ich wieder in die Stadt umgezogen bin, sondern eher daran, das PJ‘ Harveys neues Album zu neuem interessantem Denken anregt, was ich sehr zu schätzen weis. In einem Kommentar erwähnte ich Devendra Banhart als Wunschheadliner. Genau, ihn will ich, diesen Singer/Songwriter. HA! Glaubt mir, er wäre toll! Auch diese Trefferwahrscheinlichkeit liegt (wahrscheinlich) bei Null.  Aus diesem Grund, widmen sich meine Gedanken eher der positiven aber nicht überraschenden Musikrevolte in Amerika. Der Aufschwung des einen, hat einen Abschwung des anderen zu folge. Der Brit-Pop wiederum ist auf der Suche nach seiner Identität. Das Soloalbum von Pete Doherty, ist sicherlich ein kleiner Wegweiser für den Kurswechsel in die richtige Richtung. Nur weiter so edle Ritter und glaubt nicht immer alles was im NME steht.

Wenn ich den Himmel betrachte, weis ich, dass aufgehende Sterne für eine Veränderung im Sternenhimmel stehen.  Man betrachte mit Stolz das Bild nordischer Musikkünstler und dem damit verbundenen Optimismus, `das alles wieder gut wird`. Auch in England wird es besser.  Das Aufblühen der globalen Musikindustrie in den Augen eines Romantikers wird als Bedrohung aber auch als Chance betrachtet. Die Chance, aus den Fehlern dieses Systems zu lernen…   

Irgendwo dahinter zwischen Kriseneuphorie und Alternativer Kunst befinden sich die Flaming Lips. Ihre philosophischen Texte sind klug, ihre Bühnenauftritte spektakulär! Ein wahrer Genuss.  Egal ob Experimente mit Kunstblut, aufblasbaren Bällen, in denen sich die Bandmitglieder über das Publikum  rollen lassen oder in Tierkostüme gesteckte TänzerInnen, es gibt nichts was es nicht gibt an einem Flaming Lips Konzert. Freitag Abend, Sitterbühne, 00:45-02:00! Kommt und staunt…

“These were not normal guys from normal families – you’re talking about freaks”
Michele Vlasimsky, Flaming Lips manager 1986-1990

“We’re just normal guys trying to make interesting music”
Wayne Coyne, head Flaming Lip, 2001

Bis zu diesem Konzert dauert es noch ein bisschen. Bis dahin werde ich weiterschreiben und denken. Der nächste Blog folgt. Mit im Gepäck eine regionale Band aus der schönen Gallusstadt.

Es grüsst der Sonntagsspaziergänger, Antonio… 

Liebe sich bräunende Welt

Die Sonne scheint, alles ist gut, alles ist Sommer… geniessts. Augen zu und aufsaugen…

Heute bin ich nur mal der süsse kleine Lückenfüller – wenn sich ein anderer grosser Poet zu uninspiriert fühlt, aber die grossen Themen für sich will (jaaa, grossen Poeten gebühren grosse Themen, dem muss ich zustimmen), spring ich gerne ein. Deswegen kein filosofisch kritsches Blabla -nichts gegen filosofischkritischesBlabla, das kann sehr gehaltvoll sein, aber nicht jeder kann seinen Laptop mit an die Sonne nehmen wie ich- und erzähl heute eben mal wieder einen Wartezeitvertreibegeheimtipp. 

Du wartest sicherlich nächstens mal am Bahnhofstreffpunkt auf … ich weiss auch nicht… deine Grosmami. Also, du stehst also da, Stöpsel im Ohr (hörst brav “We are the people” von Empire of the sun und auf keinen Fall Mando Diao, -Sommerhitgefahr! denn wenn du die jetz schon rauf- und runterhörst wirst du sie erwürgen wollen bis Ende Sommer – und falls du das jetzt schon tust, ich kann dich verstehen.), wartest auf deine Verwandte zweiten Grades und stehst mit dem Rücken zum Busbahnhof neben den Fahrplantafeln. Die Greenpeaceheinis ignorierst du standhaft.
Und jetzt: guck dir mal die Gesichter der -na ja- jüngeren Menschen an, die die Unterführung ausspuckt. Ihre Blicke werden von diesem riesigen bunten Plakat gefesselt, die Gesichter zeigen ein paar Sekunden Konzentration, und dann… das faszinierende: die Reaktion. Eine wahre Wissenschaft, glaubt mir! Manchen schleicht ein freudiges Grinsen über die Visage, manche wenden sich angewidert ab (jaah, okay, die Schrift wurde ein klein wenig -wie sagt man- pipigrün? aber sooo schlimm ists jetzt wirklich nicht! Also ehrlich!), manche machen ein zerkniffenes Gesicht (auch mir sind ein paar Bands ein Dorn im Auge – beruhigt euch, das ist nur natürlich, sagt Doktor Raphaela), manche lächeln peinlich berührt (was taten die wohl letztes Jahr…?) und so weiter…

Es lohnt sich, ihr fordert damit Menschenkenntnis, Vorfreude und Amüsement…  Und die Zeit wird vergehen. Da bin ich mir ganz sicher (denn das ist sie bisher immer)! Und bis dann… treffen wir uns in den Weiheren an.

Eure kamikaze-fahrradfahrende Raphaela

Liebe jubilierende Welt

Ja Ja Ja, sie kommen! Ich denke, ich bin nicht die Einzige, die nach der heutigen Bekanntgabe ein klein wenig heimlich durch die Luft geboxt hat… die Yeah Yeah Yeahs, wir habens fast nicht gewagt zu hoffen. Auch waren sie so gut ein wartezeitenverkürzendes neues Album zu veröffentlichen, so nett sind die – ich habs schon und finds grossartig…!
Allerdings fast noch mehr freue ich mich auf Selig. Wer jetzt die Fragezeichen vor seinem Kopf zählt; Selig ist eine wunderbare Hamburger Band, die wirklich gute Texte mit Mitsingrefrains vereint und einem manchmal direkt aus dem Herzen spricht. Freitagabends, vor dem Eindunkeln vor der lauschigen Sternenbühne rumtanzen oder auch mal ganz still stehen und ihre Geschichten hören… Ach, wird das grossartig.

Momentan wird im Hause Raphaela Ferien gefeiert, wie bei allen anderen dankbaren Schülern und versklavten Arbeitern auch, das heisst ich hab meine Fühler auf Openair und alles drumrum spezialisiert. Und da kommen komische Sächelchen zum Vorschein, das kann ich euch sagen.  So wurde entdeckt, dass man zum Wartezeitverkürzen mit den Bandnamen zum Beispiel wunderbare Wortspiele basteln kann (YEAH YEAH YEAH, ich bin SELIG,no STRESS and my LOVEBUG is GETting WELL SOON…), mit der schrecklichen Sonnenbrille, die man normalerweise nur im Sittertobel trägt, lässt es sich wunderbar Fahrrad fahren, es bewerben sich überraschende Verwandte für Jobs am Openair, und in der Gerüchteküche wird an einer Nuklearen Kernschmelze gearbeitet was den letzten Headliner betrifft. Auch ich hab so meine Wünsche, oooh ja, aber ich verklemms mir jetzt hier die Vorteile von Bands zu predigen, die leider noch zu unbekannt sind für den Namen Headliner, ihm aber alle Ehre machen würden. (Nein, Raphaela, keine Beispiele jetzt!!!)

Also feiert schön, meine Lieben, der Frühling frühlingt, die Blumen blühn, die Vögel zwitschern und wir müssen noch exakt 80 mal schlafen… (wenn ich mich vor Aufregung nicht verzählt habe.)

eure breitmaulfroschgrinsende Raphaela

the Rifles und der fehlende Beatles-Touch

Mit England ist es eben so eine Sache. Bist du irgendwann mal musikalisch gut und hast ein bisschen Erfolg schnappt schon bald die  Kinks-Jam-Oasis-Libertines Falle zu.  Wenige Bands grenzen sich von diesem Vergleichsdruck ab und drohen zu scheitern. Wenige überleben. Zu gross ist der Druck, zu brutal die Englische Musikpresse. Die Rechnung wurde aber ohne the Rifles gemacht! Ihr Debüt „No Love Lost“ von 2006 war und ist ein ordentlich solides Ohrwurm Rockalbum, welches sich trotz prominenter Fangemeinde wie Oasis, Paul Weller und Graham Coxon sehr langsam durchsetzte. Seitens der englischen Musikpresse fehlte die nötige Unterstützung, was bei mir doch ein leichtes Kopfschütteln auslöste. “Der nötige Beatles-Touch fehlt!” warfen Kritiker den Rifles vor. Man tat sich schwer mit der Trendwende im Mutterland des Pop. Der Brit-Rock wurde nun neu definiert und das merkten am Schluss auch die Engländer. Zum Glück. Songs wie „Peace and Quiet, Local Boy, Lost in London und When I’m alone“ stürmten die UK Charts und zelebrierten den Anfang einer neuen Ära in der Brit-Rock Szene. Für den Film „Bigga than Ben“ spielten the Rifles die Filmmusik (für mich, der Film mit der besten Filmmusik überhaupt!)
The Rifles zweites Album „Great Escape“ erschien erst kürzlich in den Plattenläden und knüpft an den Erfolg des ersten Albums an. Mit Mellotron und Geigen wurden einige Stücke verziert. Der Album Titelsong “Great Escape” ragt aus dem Album heraus. Ein Zeichen der Reife. Zusammen mit ihrer Bühnenpower und der speziellen Stimme von Rifles Kopf Joel Stoker, bringen diese Jungs jede Bühne zum kochen. Wer sich selber überzeugen möchte geht am 16. April ins Abart und lässt sich dort vom Rifles Virus infizieren. Tickets sind noch erhältlich.

Eine Band, die unbedingt ans Open Air St. Gallen gehört! Und dann bitte auf der Sternenbühne.
Noch sind die restlichen Bands fürs Festival nicht bekannt. Mit den „Streets“ lag ich ja richtig. Wie wäre es mit einem zweiten Treffer ins Richtige?

Bis zur Verkündung des restlichen Open Air Programs heisst es weiterhin “tapfer durchhalten”. Und für alle anderen ein kleiner Rifles-Vorgeschmack. Bitteschön (den Links folgen).

the-rifles

the Rifles – Repeat Offender

the Rifles – Local Boy

the Rifles – Peace and Quiet